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Dramaturgenverband wird gegründet

Blickpunkt:Film vom 29.06.2002

Berlin/München (hai)
Am 2. Juli wird am Rande des Münchner Filmfests der Verband der Deutschen Film- und Fernsehdramaturgen ins Leben gerufen. Damit wolle man vor allem den in Deutschland kaum beachteten Beruf "ins Bewusstsein der Öffentlichkeit rücken", so Gründungsmitglied Dagmar Benke.
Während in anderen Ländern der Beruf gewürdigt werde, könne man hierzulande froh sein, wenn man überhaupt einen Credit bekomme, erklärt Benke. Der Berufsstand des Dramaturgen war lange Zeit regelrecht verschwunden. Benke nennt historische Gründe dafür: Erst mussten viele Kreative vor den Nazis flüchten, dann verdrängte der Autorenfilm den handwerklichen Aspekt der Drehbuchentwicklung. In den letzten 15 Jahren verbesserte sich die Situation. Heute gibt es Dramaturgie-Studiengänge an den Filmhochschulen und immer mehr auf Development spezialisierte Firmen sprießen aus dem Boden, doch feste Regelungen für Honorare gibt es nicht.

So hat sich der Verband, dessen Gründung bei der Berlinale angekündigt wurde, auf das Banner geschrieben, die Berufsinteressen in der Öffentlichkeit zu vertreten. Das heißt, eine Honorarordnung zu erstellen und Credits zu erwirken, ebenso wie sich in die Diskussion um filmpolitische Fragen einzumischen. "Als Verband hat man da ein ganz anderes Standing als als Einzelperson", führt Benke aus. Der Verband will aber auch die fachliche Diskussion intern anstoßen, "Plattform für die Einzelnen" sein.

Für internen und öffentlichen Nutzen gleichermaßen soll die geplante Erstellung eines Nachschlageverzeichnisses von freien Dramaturgen und Developmentfirmen, die Einrichtung einer Website und die Etablierung eines Newsletters sein. Der Verband will sich möglichst offen halten und Menschen ansprechen, für die "Dramaturgie im Zentrum ihrer Arbeit" steht. Das können Film- und Fernsehdramaturgen und -Redakteure sein, Lektoren, Produzenten, die auf Development spezialisiert sind, Script Consultants oder auch Leute, die Multimedia-Content entwickeln. Diese Berufsgruppen spiegeln sich in den Gründungsmitglieder wider.

Neben Benke, die mit Oliver Schütte und Jürgen Seidler bei der Drehbuchentwicklungsfirma Script House tätig ist, sind die Leiterin Scipt & Development Lab Nordmedia, Dorota Paciarelli, Produzent Andreas Grünberg, Autorin Heike Sperling und die Dramaturginnen Petra Ziech und Inka Fromme mit an Bord.

Benke schätzt die Zahl potenzieller Verbandsmitglieder auf mehr als nur ein paar Hundert - gerade nachdem das Feedback auf vorangegangene Ankündigungen auf verbandsgruendungs@hotmail.com sehr stark war. So ist Benke zuversichtlich, dass zur Verbandsgründung am 2. Juli um 17 Uhr im großen Sitzungssaal in der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien großer Andrang herrschen wird. Am 3. Juli werden dann die Vorstandsmitglieder um 11 Uhr der Presse in der BlackBox, Gasteig, vorgestellt.